Von Susanne Müller
Lehrerin tritt Dienst in Speyer an/Schülerinnen bleiben Unterricht fern
SPEYER. In Worms hat die Einstellung einer Lehrerin muslimischen Glaubens, die im Unterricht ein Kopftuch trägt, Wellen geschlagen - die Schule, das Eleonoren-Gymnasium, hat sie abgelehnt. Nun ist die Welle der Empörung nach Speyer geschwappt: Es gibt Proteste an ihrem neuen Einsatzort.
Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) hat die Muslima nach Speyer an das Speyer Kolleg abgeordnet - hier trat die Lehrerin am Montag auch ihren Dienst an. Doch schon bald, nachdem sie in der Aula allen Schülern vorgestellt worden war, regte sich Protest.
Eine Stellungnahme war am Freitag dazu von der Schulleitung nicht zu erhalten, der stellvertretende Kolleg-Leiter Jochen Schneider bestätigte nur, dass die Lehrerin im Speyer Kolleg am Anfang der Woche ihre Arbeit aufgenommen habe. Die Pressesprecherin ADD, Eveline Dziendziol, zeigte sich überrascht von neuerlichen Protesten gegen die Pädagogin: "Das ist das erste, was ich höre". sagte sie auf Nachfrage dieser Zeitung.
Gesprächsbereit gegenüber dieser Zeitung waren mehrere Schülerinnen, die in Deutsch und Sozialkunde von der neuen Lehrer-Kollegin hätten unterrichtet werden sollen. Sollen. Denn einige der Schüler bleiben seit Dienstag dem Unterricht der Muslima fern. "Wir fordern, dass Staat und Religion getrennt bleiben", sagte eine der erwachsenen Kolleg-Schülerinnen auch für weitere Mitschüler - die in der Zeitung ungenannt bleiben möchte, deren Name der Redaktion aber bekannt ist.
Sie beschrieb, dass in der Schule massive Unruhe entstanden sei, dass sich Lager gebildet hätten. Einige hätten sich mit der Tatsache, dass eine Lehrerin mit Kopftuch unterrichte, abgefunden, andere wollten dies nicht hinnehmen: "Wir fordern Neutralität in der Schule". Zwar habe die Pädagogin betont, sie habe keine politischen Gründe für ihr Kopftuch-Tragen, sie werde es aber keinesfalls absetzen, da sie es aus religiösen Gründen trage. "Sie fordert aber nur von unserer Seite Toleranz, das erscheint aber unglaubwürdig, da sie nicht akzeptiert, dass ihr Verhalten bei Schülern auch anders ankommt".
Die Gründe, warum sie dem Unterricht der Muslima fernbleiben, haben die betreffenden Schüler der Schulleitung in einem Brief dargelegt. Protest haben sie auch dagegen eingelegt, dass die neue Lehrerin - so ihre Angaben - statt bisher in ihrer Klasse tätiger Lehrkräfte nun Deutsch und Sozialkunde unterrichte. Außerdem sei der Stundenplan wegen der Pädagogin nicht nachvollziehbar umgestellt worden. "Wir werden dem Unterricht der Muslima weiter fernbleiben, bis in der Schule offen über das weitere Vorgehen diskutiert wird".

Kopftuchverbot in Worms
Das hatten wir doch schon mal gehabt! Stammtischparolen machen sich breit und die Menschen applaudieren laut! Warum ist es so schwierig zu verstehen, dass RLP zu den Ländern gehört die es erlauben, dass (muslimische) Frauen nicht nach äusserlich religiösen Zeichen, sondern nach Ihren Inhalten, Intellekt, Charakter und Sozialem Verhalten beurteilt werden. Ist das nicht ganz im Sinne des freiheitlichen Denken das uns seit dem "Hambacher Schloss" prägt? Was wird stattdessen gemacht, wir beurteilen nicht, sondern verurteilen. Wir schauen was auf dem Kopf ist und nicht drunter. Wenn wir uns die letzten 50 Jahre Schullandschaft auf RLP Schulen ansehen, so haben wir bisher laut Radikalenerlass nur Menschen aus dem Schuldienst entlassen bzw. nicht eingestellt, die radikale rechte oder linke Tendenzen vorwiesen. Menschen von denen eine Gefahr fuer unsere Kinder ausging usw. Wieso fürchtet sich Deutschland, ein gefestigter Staat vor 1 qm Stoff? Es passt nicht zum Prinzip der Gleichheit, wenn wir Frauen nach dem äusserlichen verurteilen ohne mit Ihnen darüber gesprochen zu haben. Wer von denen, die hier Ihre Beurteilung und "Bravo gegen Kopftuch" abgaben, haben jemals eine muslimische Frau gefragt "Warum" Sie das trägt? Die meisten dieser Frauen tragen es aus religiöser Überzeugung und nicht aus politischer Überzeugung. In meiner Arbeit spreche ich fast täglich mich Ihnen und Sie wissen nicht mal was Sie mit der Frage: "Ist das ein politisches Zeichen fuer dich" etwas anzufangen. Besinnen wir uns doch bitte auf Para. 12 des GG, mit der Freiheit der Wahl auf einen Arbeitsplatz und Para. 4 des GG auf freie Religionsausübung!