Weinheimer Kita leistet herausragende Arbeit bei der Integration von Ausländern
(red). Für Türkan Özici gibt es keinen Zweifel. "Die deutsche Sprache", sagt die türkische Mutter - und man hört ihr selbst keinerlei Akzent an - "ist das A und das O". Und Ayse Özavci, die gerade einen Säugling stillt, beschreibt, wie Integration in Lebensecht aussieht: "Ich bin in Deutschland geboren und spreche schon lange Deutsch, mein Mann spricht aber kaum Deutsch." Für beide Mütter ist es deshalb klar: Ihre Kinder müssen mit einer geregelten Zweisprachigkeit groß werden. "Wir leben hier", erklärt Ayshe Özavci, "aber unsere Kinder sollen auch ihre Herkunft nicht vergessen". In diesem Spannungsfeld leistet die Weinheimer Kindertagesstätte Kuhweid in der Weststadt Weinheims größter Kindergarten überhaupt, seit Jahren herausragende Arbeit. "Hier wird Integration in Wirklichkeit gelebt", beschreibt Antje Kerschbaum, die seit September die Kuhweid leitet. Die Erzieherin stammt aus Mannheim und pendelt seit einigen Wochen ganz bewusst von der Großstadt in die Zweiburgenstadt, die beim Thema Integration und Bildungsförderung in der ersten Bundesliga spielt. "So manche größere Stadt sollte sich eine Scheibe abschneiden", rät die Leiterin. Vor wenigen Tagen feierten die Erzieherinnen mit ihren Kindern und deren Müttern in der Tagesstätte am Mehrgenerationenhaus ein islamisches Opferfest - eine symbolhafte Aktion, die auf das gegenseitige Verstehen der Kulturen und Traditionen in der Kuhweid hinwies. Der Ausländeranteil in der Kindertagesstätte liegt bei über 40 Prozent. Aber vergessen wird niemand, kein Kind geht verloren. Zwei Sprachförderprogramme werden in der Kuhweid praktiziert, wie in vier anderen Weinheimer Kindergärten: Sie heißen "Rucksack" und "Griffbereit" und werden gefördert von Integration Central und der Freudenberg-Stiftung. Erzieherin Gabi Knapp beschreibt: "Die Zweisprachigkeit fließt bei uns ganz selbstverständlich in den Alltag ein, beim Anziehen oder auch beim Essen." Gelingen kann dies nur mit einem engagierten ehrenamtlichen Beitrag von Müttern, die in Weinheim bei ihrem Einsatz Mütterbegleiter genannt werden. Türkan Özici ist so eine Mütterbegleitern. Sie betreut die ausländischen Frauen, die weniger gut Deutsch können als sie und in der Integration noch nicht so weit sind. Sie übersetzt, stellt Kontakte her und überzeugt die Frauen, warum gerade die Zweisprachigkeit so wichtig ist. Die Mütter üben mit ihren Kindern zuhause in der Muttersprache die gleichen Tätigkeiten wie die Erzieherinnen auf Deutsch. "Rucksack" und "Griffbereit" pflegen die Muttersprache genauso wie die praktizierte deutsche Sprache. Ihre Erfahrung: Ohne Identität gibt es keine Integration.
