Von Christian Hoffmann
MTV-Moderator Markus Kavka plaudert in Popakademie / Rückkehr als Schriftsteller
"Es war abzusehen, kam für mich aber dennoch überraschend", offenbarte Moderator Markus Kavka. Für viele ist Kavka untrennbar mit dem deutschen Musikfernsehen verbunden. Ab 1995 moderierte er bei Viva, später sagte er die Videoclips bei MTV an. Tiefschürfender und nicht so hibbelig wie seine Kollegen. Nun läuft Kavkas Vertrag bei MTV Ende des Jahres aus. In der Mannheimer Popakademie las er aus seinem neuen Buch "Hamma wieder was gelernt" vor und sprach mit dem Publikum. Vermutlich zieht sich Markus Kavka jetzt nach und nach aus der Glotze zurück. Inzwischen ist der Anchorman 41 Jahre alt, wohingegen sich MTV an eine jugendliche Zielgruppe richtet. Nur noch sporadisch wird er die Sendungen "brand:neu" und TRL moderieren. Also kehrt Kavka, der früher Redakteur der Musikzeitschrift Metal Hammer war, dorthin zurück, wo er ursprünglich herkommt: zur Schreiberei. In "Hamma wieder was gelernt" macht sich der Popjournalist in humorvollen Zeilen Gedanken über das Erwachsenwerden. Er habe den Spaß am Schreiben wiedergefunden. Erwachsen fühle er sich weiterhin nicht. "Ich gehe in zehn Jahren noch in Techno-Clubs, vielleicht nicht mehr allzu gut zu Fuß", schmunzelte Markus Kavka. Im Nebenjob legt er als DJ elektronische Musik auf, etwa im Ludwigshafener Loft. Dass er sich von seinem einstigen Brötchengeber emanzipierte, war ihm anzumerken. Befreit plauderte Kavka drauflos, wie er es noch bis vor Kurzem sicher nicht getan hätte. So erfuhren die Zuhörer, dass er die Britpop-Band Blur interviewte, die unter dem Einfluss von Kokain einen Mordsspaß daran hatte, Kavka gründlich zu veralbern. Oder Mariah Carey, die mit den Allüren einer Diva gekonnt an den Fragen des Moderators vorbeigeantwortet habe. Der in Berlin-Kreuzberg lebende Medienmann ist ein ausgeglichener Kerl. Auf Boshaftigkeiten seiner Mitmenschen reagiere er "mit buddhistischer Sanftmütigkeit". Seine Lesung illustrierte Markus Kavka mit Multimedia-Elementen. Auf eine Leinwand projizierte er persönliche Fotos aus Kindheit und Jugend: Kavka als Säugling mit Gipsbeinen, Bilder seiner Eltern, Kavka mit schrecklichen Frisuren und fürchterlichen Klamotten, Kavka als Grufti. Das Publikum lachte mit dem Autoren. "Meine Mutter hat ein super Gehör für die Zwischentöne in meinen Moderationen", erzählte Markus Kavka. Fünf Minuten nach einer Sendung rufe sie an, um ihn zu schimpfen, wenn er im Fernsehen wieder geflucht oder "den schwarzen Pulli mit dem Loch unterm Arm" getragen hat. Über seinen Laptop führte Kavka einen seiner liebsten Clips vor, "Hurt" von Johnny Cash - "Ich habe geweint, als ich dieses Video sah", sagte er. Der bürgerliche Zug mit Ehefrau, Kind und Eigenheim sei irgendwie an ihm vorbeigerauscht. Sorgen um die Zukunft? "Ist doch egal, solange es morgen noch so lustig ist wie gestern", zitierte der Literat aus seinem Taschenbuch. "Nein, bisher konnte man mir nicht in die Herrenslipper helfen."
