Hockey-Nationaltrainer Markus Weise trainiert mit seinem Team in Heimatstadt Mannheim
11.02.2012 - MANNHEIM
Von Heike Warlich-Zink
HOCKEY Liebeserklärung des Nationaltrainers Markus Weise an seine Heimat Mannheim
„Was heißt ‚wie nach Hause kommen‘?. Das ist nach Hause kommen“, entgegnet Markus Weise prompt auf die Frage, wie es sich anfühlt, mit der deutschen Hockey-Herren-Nationalmannschaft eine einwöchige Trainingseinheit in Mannheim zu absolvieren. Auch es wenn der straffe Zeitplan nicht zulässt, viel mehr als das Hotel und die Sportanlage des Mannheimer Hockeyclub (MHC) zu sehen.
„Ich bin Mannheimer“, erklärt der Bundestrainer, wenngleich sein Lebensmittelpunkt seit etwa drei Jahren Hamburg ist. „Was man halt so als Lebensmittelpunkt bezeichnen kann, wenn man gut 150 Tage im Jahr unterwegs ist“, ergänzt er. Zurzeit steht alles im Zeichen der Vorbereitung auf die olympischen Spiele in London.
Die Hockey-Herren sind Titelverteidiger, und für ihren Trainer wäre es die dritte Goldmedaille nach seinem Olympiasieg 2004 mit der Damen-Hockey-Nationalmannschaft und 2008 dem Sieg mit den Herren in Peking.
Motivation oder Bürde? Für Markus Weise offensichtlich keins von beidem. „Es geht einzig und allein darum, sich optimal vorzubereiten, und dafür haben wir hier in Mannheim Topbedingungen“, gibt er zu, dass auch er gespannt war auf die neue, weltweit einzige Traglufthalle über einem Original-Hockeyfeld. „Sie zu betreten war ein durchaus spektakuläres Erlebnis“, zeigt Weise sich beeindruckt von der Höhe der Halle, die Schlenzbälle mit ihrer Aufwärtsbewegung und starken Vorwärtsbeschleunigung uneingeschränkt zulasse. Dass die Traglufthalle beim MHC und nicht beim TSV Mannheim steht, kann der Mann, der aus einer hockeybegeisterten Familie stammt, als C-Jugendlicher beim TSV 1846 das schnelle Spiel mit dem Schläger erlernte und viele Jahre dort Trainer war, neidlos anerkennen. „Ich sehe zwei solch starke Vereine für den Hockeystandort Mannheim insgesamt als positiv“, blitzt erneut Lokalpatriotismus auf. Die Stadt werde oft unterschätzt. Auch im Sport, so Weise. Immerhin sind mit Matthias Witthaus, Florian Woesch und Patrick Hablawetz drei MHC-Spieler mit im Lehrgang. Wie das endgültige Aufgebot für Olympia aussehen wird, wird sich allerdings erst Mitte Juli entscheiden. Allen 31 Spielern, die noch bis Sonntag in Mannheim trainieren, räumt der Bundestrainer die Chance auf die Olympianominierung ein. „Sonst wären sie gar nicht erst hier“, so Weise.
Das System ist offen, weitere intensive Trainingseinheiten stehen an. Unter anderem vom 1. bis 13. März in Südafrika, bevor das Team vom 1. bis 7. Mai zum offiziellen Test-Event nach London eingeladen ist. Dass der amtierende Europameister dann bei den olympischen Hockeyturnieren, die vom 29. Juli bis 11. August in der neuen Riverbank Arena im Olympiapark ausgetragen werden, nach Gold greifen will, steht für Weise fest. „Olympia ist wesentlich für unseren Sport, der dann wie sonst kaum im Fokus steht“, soagt Weise und ergänzt, dass sich aus dem Abschneiden bei Olympia zudem die Fördermittel für die nächsten vier Jahre ergeben.
Trotz aller berechtigten Titelhoffnungen und ehrgeizigen Ambitionen: „Olympia folgt seinen eigenen Regeln, da sind plötzlich Mannschaften ganz oben, die man vorher gar nicht auf der Rechnung hatte“, beobachtet der Bundestrainer daher nicht nur die Teams aus Australien, Holland, Spanien und den Gastgeber Großbritannien ganz genau. Jedenfalls ist der deutsche Hockeyport international gesehen die erfolgreichste deutsche Mannschaftssportart vor Fußball und Handball.
Olympia-Gold mit Damen und Herren geholt
Geht es nach Markus Weise, dann bleibt das auch so. „Wer Erfolg haben will, muss konsequent und mitunter auch stur sein“, ist er bekannt für originelle Trainingsmethoden, trifft mitunter eine auch fürs eigene Team überraschende Mannschaftsaufstellung und hat doch längst bewiesen, dass die Olympiasiege seiner Mannschaften keine Eintagsfliegen waren.
Der Mannheimer Markus Weise hat bislang als einziger Trainer weltweit Olympia-Gold mit einer Frauen- und einer Herrenmannschaft geholt. Im Dezember 2011 zeichnete ihn der Deutsche Olympische Sportbund in Baden-Baden im Rahmen der Veranstaltung „Sportler des Jahres“ vor großem Publikum als Trainer des Jahres aus. Sollten Markus Weise und die Hockey-Herren in London ihrer Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzufügen, dann wird der Goldglanz auch ein Stück weit nach Mannheim strahlen.
