Schleusenausbau entlang Neckar ein Megaprojekt
28.01.2012 - RHEIN-NECKAR
Von Harald Berlinghof
Der Gütertransport, so besagen alle Verkehrsprognosen, wird in den nächsten Jahren noch erheblich zunehmen. Die Autobahnen und Schienenwege sind mittlerweile vielerorts an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. In der Binnenschifffahrt dagegen schlummern noch erhebliche Potenziale.
Auf dem Neckar allerdings kann man diese Potenziale nur heben, wenn es möglich wird, größere Schiffe bis nach Heilbronn und darüber hinaus bis Stuttgart oder gar Plochingen zu schicken. Dazu müssen die 27 Schleusen entlang dem Neckar auf 140 Meter Länge ausgebaut werden, um 135-Meter-Schiffe aufnehmen zu können. Bislang sind die Schleusen am Neckar nur 110 Meter lang und befahrbar für 105-Meter-Schiffe.
Kammertore werden erneuert
Inzwischen ist das Großprojekt, das zunächst die Verlängerung der zehn Schleusen zwischen Mannheim und Heilbronn und parallel die Instandsetzung der weiteren Schleusen zwischen Heilbronn und Plochingen vorsieht, angelaufen. In Feudenheim werden noch 2012 zunächst neue Schleusentore eingesetzt, in Schwabenheim wird es auch in diesem Jahr mit einem abschließenden Termin vor Ort zur Verlängerung der Schleuse ernst.
In Neckargemünd werden zunächst die linken Kammertore erneuert, in Hirschhorn wird es 2013 soweit sein. Bis 2026 sollen alle zehn Schleusen bis Heilbronn instand gesetzt und verlängert sein.
Die Kosten für das Gesamtprojekt werden von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest und dem Amt für Neckarausbau Heidelberg auf 260 Millionen Euro bis ins Jahr 2026 beziffert. Hinzu kommen allerdings noch 800 Millionen Euro für die Instandsetzung der überalterten Stauwehre bis ins ferne Jahr 2058 und 80 bis 90 Millionen Euro für gesetzlich vorgeschrieben Fischtreppen.
Notwendig werden darüber hinaus fünf Wendestellen für die großen Schiffe, von denen je eine in Ladenburg und Neckarsteinach angelegt werden sollen. Gutachten über die Beeinträchtigung der Ufervegetation und Flachwasserfauna liegen vor. Die ökologischen Auswirkungen sollen gering sein. Bezüglich Lärm, Kosten, Kohlendioxid-Abgabe und einer potenziellen Unfallgefahr kann das Binnenschiff gegenüber dem Lkw und auch dem Güterzug punkten. Problematisch bleibt allerdings die Tatsache, dass ein Flusslauf anders als Autobahn und Schienentrasse neben seiner Nutzung als Verkehrsweg auch ein ökologischer Lebensraum ist, der zusätzlich als Naherholungsraum und touristische Attraktion fungiert.
Bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung des Verband Region Rhein-Neckar VRRN, des Regionalverbandes Heilbronn-Franken und der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest im Neckargemünder Rathaus war kürzlich herauszuhören, dass man sich wirtschaftlich keinesfalls abhängen lassen möchte. Gleichzeitig, so Verbandsdirektor Ralph Schlusche, werde der Ostteil der Metropolregion Rhein-Neckar mit dem Projekt näher an das Zentrum der Region herangeführt und das Zentrum vom Lkw-Verkehr entlastet.
„Wir haben jetzt die Chance für den Aufbau eines trimodalen Verkehrssystems, bestehend aus Lkw, Bahn und Binnenschiff in der Metropolregion Rhein-Neckar“, so Schlusche. Der Ausbau der Schleusen biete auch größeren Fahrgastschiffen die Möglichkeit, den Neckar zu befahren und so dem Tourismus ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten.
