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Rhein-Neckar 

Der Mann, der den Wein versteht

28.10.2011 - BAD DÜRKHEIM

Von Rolf Sperber

SENSORIK Steffen Michler hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht / Fachbegriffe verständlich vermitteln

Kann man riechen und schmecken lernen oder gar studieren? Man kann: Dr. Steffen Michler (45), aufgewachsen im baden-württembergischen Weinland um Heilbronn, wollte als junger Mann den Sinnen auf den Grund gehen, studierte in Freiburg und Basel Neuro-Biologie und damit auch das für Laien ungewöhnliche Fach Sinnesphysiologie und promovierte - über Hörsturz.

Heute gibt der in Sensoriker- und Winzer-Kreisen gefragte umtriebige Fachmann sein profundes Wissen in seiner Wahlheimat Bad Dürkheim, wo er mitten in der Stadt am Römerplatz das „Haus der guten Weine“ gründete, in Seminaren weiter. Wein und Whisky, Käse und Schokolade und ihre diversen Kombinations-Möglichkeiten sind die Themen in diesem Herbst.

Den Kontakt zum Wein und zu seinen Machern fand Michler schon früh: „Ich habe bei Weinmessen gearbeitet, bin dort mit Winzern ins Gespräch gekommen und beschäftigte mich schon bald mit der Frage, wie Wein gemacht wird und wozu man ihn am besten trinkt“, berichtet er über seine beruflichen Anfänge, die eigentlich so gar nicht geplant waren. Doch Michler bildete sich über sein Studium hinaus ständig fort: „Ich bin Autodidakt - ich habe unheimlich viel gelesen und gelernt...“ Inzwischen kann er mit Genugtuung konstatieren, dass er seine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Und das mit Erfolg: 2002 wurde Michler von der Fachzeitung „Feinschmecker“ in einem Wettbewerb für Amateure zum „Weinkenner des Jahres“ gekürt - das war der eigentliche Startschuss für eine Karriere, die Michler inzwischen zu einem exzellenten und vielgefragten Fachmann für Weinsensorik werden ließ. Der Dürkheimer hilft auch Laien, „den Wein zu verstehen“ und über die einfachen Urteile wie „schmeckt“ oder „schmeckt nicht“ hinaus zu kommen.

Michler: „Jede Rebsorte hat eigene, primäre Aromen, riech- und schmeckbare, fühl- und sichtbare Inhaltsstoffe, die durch Klima, Standort und Ausbau beeinflusst werden.“ Wer die Sinne schult, kann sich auch als ursprünglicher Laie soviel Erfahrung aneignen, dass er im Endergebnis bei einer Weinverkostung treffsicher einzelne Rebsorten oder Ausbaustile zuordnen kann. Er muss sich dabei nicht der oft unverständlichen Sprache der „Weinexperten“ annähern, sondern kann - so Michler - „verständlich und objektiv beschreiben, was er im Glas hat“.

Michler will dieses Wissen nicht allein für sich behalten und bietet deshalb seit Jahren in Seminaren Wege zu einer anspruchsvollen Weinkultur an. Michler: „Wer bei mir in einem Seminar war, kann in der Regel hinterher sagen, warum ein Wein schmeckt oder warum nicht - er versteht dann den Hintergrund.“ Seine „Schüler“ - das sind immer mehr junge Weinliebhaber, aber auch Winzer, die sich ihren Kunden gegenüber einer verständlichen „Weinsprache“ bedienen wollen.

Bis zum 10. Dezember kann man in Seminaren bei Michler in Sachen Sensorik etwas dazu lernen. Und: Kunden können bei ihm 250 verschiedene Sorten Wein entdecken - auch von nicht so bekannten Winzern - oder über 40 Sorten schottischen Malt-Whisky kaufen. Insgesamt hundert bis 110 Termine in Sachen Sensorik stehen in seinem Terminkalender.

Dr. Steffen Michler hat seine Doktorarbeit über Sinnesphysiologie geschrieben. Im „Haus der guten Weine“ bietet er Weinsensorik-Seminare an und beantwortet Geschmacks-Fragen.	Foto: Klaus Venus

Dr. Steffen Michler hat seine Doktorarbeit über Sinnesphysiologie geschrieben. Im „Haus der guten Weine“ bietet er Weinsensorik-Seminare an und beantwortet Geschmacks-Fragen. Foto: Klaus VenusVergrößern

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