Von Manfred Janß
Staatsanwalt ermittelt gegen Osthofener Hundebesitzer wegen fahrlässiger Körperverletzung
OSTHOFEN Der neunjährige Junge und dessen 41-jähriger Vater, die am Donnerstag von zwei Doggen schwer verletzt wurden (die WZ berichtete), sind nicht in Lebensgefahr. Beide werden noch eine Woche im Klinikum bleiben müssen, der Junge steht unter einem schweren Schock.
Der Leitende Oberstaatsanwalt in Mainz, Klaus Puderbach, hat gestern bestätigt, dass gegen den 55-jährigen Besitzer der Hunde wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung ermittelt wird. "Der Bub hat schwere Bisswunden im Gesicht und am ganzen Körper. Es werden auf alle Fälle sichtbare Narben zurück bleiben. Wie groß die seelischen Narben sein werden, kann man im Augenblick noch gar nicht sagen", berichtete der behandelnde Arzt im Klinikum, Dr. Ralph Gabelmann, der WZ. Wie auch sein Vater, der ebenfalls einiges abbekommen habe, werde der Junge psychologisch betreut. "Hundehalter sollten endlich mal kapieren, dass so ein Tier letztendlich unberechenbar ist und deshalb grundsätzlich an die Leine gehört. Aber jeder sagt natürlich `mein Hund beißt doch nicht`. Wenn ich das schon höre", schimpfte der Chirurg. In seiner 30-jährigen Berufserfahrung habe er es immer wieder mit schweren Bissverletzungen durch Hunde zu tun. Seine Begründung dafür: "Viele schaffen sich einen Hund an und kümmern sich dann nicht um ihn. Ein Hund ist aber nun mal ein Rudeltier. Er braucht ein soziales Umfeld, vor allem aber eine Hierarchie. Wenn er nicht artgerecht gehalten wird, braucht sich niemand zu wundern, wenn er verhaltensgestört ist", wetterte der Arzt. Er freute sich im Grunde über das große Medieninteresse, das der Vorfall ausgelöst hat. Den ganzen Morgen gaben sich gestern im Klinikum Fernseh- und Radioteams die Klinke in die Hand. "Das muss an die Öffentlichkeit", zeigte sich Gabelmann überzeugt. Als er allerdings merkte, dass es zu viel für den Jungen wird, wies er weitere Pressevertreter ab. Wie Silvia Bertz, die Vorsitzende des Wormser Tierschutzvereins, von dem Osthofener erfahren hatte, besaß er die Doggen erst vier Tage. "Er hat die Hunde also noch gar nicht gekannt. Mal von der Anleinpflicht seitens der Stadt Osthofen abgesehen, war es allein deshalb schon ein schwerer Fehler, die Hunde frei laufen zu lassen", sagte sie auf WZ-Anfrage. Überhaupt dürfe man Hunde schon gar nicht ohne Leine laufen lassen, wenn Kinder in der Nähe seien. Die Hunde seien außerdem erst 18 Monate alt, wie sie weiter berichtete. "Für eine Dogge ist das noch ein sehr jugendliches Alter", weiß Bertz. Daraus aber nun Rückschlüsse auf den Grad der Erziehung zu ziehen, sei schwierig. "Ein am Boden liegendes Kind anzugreifen, ist jedenfalls kein normales Verhalten für einen Hund", meinte sie. Er müsse so erzogen sein, dass man neben ihm die sprichwörtlichen Kanonen abschießen können müsse ohne dass der Hund darauf reagiere. Zudem gelte die Dogge im Allgemeinen als friedfertig. "Ich weiß jedoch nicht, woher der Besitzer sie hat und aus welcher Zuchtlinie sie stammen", schränkte sie ein. Er müsse nun eben damit klar kommen, was sie angerichtet hätten. Haben wolle er sie nicht mehr. Der Hundehalter hatte sich über den unvermittelten Angriff seiner Tiere derart aufgeregt, dass er mit Verdacht auf Herzinfarkt ebenfalls ins Klinikum eingeliefert wurde. Er ist jedoch bereits wieder entlassen. Laut Auskunft der Wormser Polizei wäre er damit einverstanden, wenn die Doggen eingeschläfert würden. "Er ist fix und fertig mit den Nerven", sagte der Polizeisprecher.
