Von Christian Hoffmann
Rockband Indir spielt Deutschpop im Osthofener Weingut Blümel
Eigentlich sind Weingüter nicht der bevorzugte Raum, in dem Indir Konzerte geben. Die Indie-Rock-Band aus Osthofen spielt überwiegend in Großstädten, etwa im Frankfurter Nachtleben oder auch schon mal im Berliner Dunckerclub. Nun ging die fünfköpfige Combo das Experiment ein, im Osthofener Weingut Blümel aufzutreten. Und siehe da: Es fanden sich jede Menge Besucher ein, die den konzertanten Versuch gelingen ließen. Das schreit nach einer Neuauflage. Schon lange sind die Musiker von Indir mit den Gutsbesitzern befreundet. Indir rockten unter Palmen und sangen über eine verflossene Liebe, was sich in der Zeile "Jetzt steh ich hier ganz allein, hier waren all die schönen Zeiten" niederschlug, begleitet von einer in hohen Tonlagen säuselnden E-Gitarre. Indir sind eine agile Rockband, die in die Luft springt, wenn die Gitarre anschlägt. Über mediale Beliebigkeit, die auf die Fernsehzuschauer einprasselt, lässt sich der Fünfer in dem Text "Wie dieser Talkshow-Kandidat mit seinem Blablabla" aus. Ein musikalisches Plädoyer für mehr selektive Wahrnehmung. Zwischendrin erkundigten sich Indir bei den Zuhörern nach der Lautstärke: Alles bestens. Und das Publikum war ausreichend mit Getränken versorgt. Im Hof des Weinguts Blümel schimmerten die Musiker in rotem, blauem und grünem Scheinwerferlicht. Den Blick für das Wesentliche schärfen, das möchten Indir, wenn sie über die "Zeit für all die schönen Dinge" singen. Gitarrenrock, den die Akteure mit elektronischen Spielereien vom Laptop verfeinern. Alles andere als klangliche Ökonomie. Für Rockbands gestaltet es sich schwierig, Auftritte außerhalb ihrer Heimatstadt zu angeln, insbesondere wenn sie wie Indir vom Land kommen: Hier kennt euch niemand, ihr zieht keine Leute, ist oft das Hauptargument urbaner Musikclubs. Da die Band letztes Jahr ihr Album "All die schönen Zeiten" über das Kölner Label Comet Records veröffentlichte, setzte sich die kleine Plattenfirma dafür ein, ihren frischen Schützlingen einige Auftritte in großen Städten zu vermitteln. "Mit einem Label im Hintergrund ist es einfacher, an Konzerte zu kommen, auf so etwas achten die Clubs", erklärt Gitarrist Mirko Höfler, der dies dennoch gleichzeitig verurteilt, da somit vielen talentierten Gruppen ohne Vertrag der Weg auf die Bühne versperrt wird. Kennzeichnend für die Songs von Indir ist ein leicht rauer und maskuliner Gesang, wobei die Combo trotzdem melodiös bleibt. Dem Sänger liegt juvenile Ausdruckskraft in der Kehle. Guter Deutschpop mit lyrischen Versen, beeinflusst von Kapellen wie Blumfeld, Kettcar, Jens Friebe oder Superpunk.
