Von Michael Jacobs
Seine Ausstellungen tragen Titel wie „Orangen und Kabelsalat“ und seine Linolschnitte sprengen in ihrer hochpräzisen Überdimensioniertheit nicht selten den Rahmen des Üblichen. Für seine Verdienste um die Weiterentwicklung der Druckgrafik ist der in Berlin und im rheinhessischen Windesheim lebende und arbeitende Künstler Philipp Hennevogl zum neuen Mainzer Stadtdrucker gekürt worden.
Die alle zwei Jahre vergebene Auszeichnung ist mit 6.000 Euro dotiert. Aus mehr als 20 Bewerbern hatte sich eine fünfköpfige Jury für den in Würzburg geborenen Druckgrafiker entschieden Hennevogl habe die Kunst des Linolschnitts zu einer Perfektion gebracht, die ihresgleichen suche, sagte die Direktorin des Gutenberg-Museums, Dr. Annette Ludwig, bei der Preisverleihung. Seine oft großformatigen Werke bildeten scheinbar Alltagsnormalität bei gleichzeitigem Hinterfragen des Vertrauten ab.
Meist liegen Beobachtungen aus dem eigenen Leben – Menschen, Landschaften, Gebäude, Stadtansichten – Hennevogls Motiven zugrunde. Ins Linol fräst er sie über den Umweg von Fotografien, die als Basis für Vorzeichnungen dienen. Mit Kohlepapier filtere er dann die wichtigsten Informationen für den Schnitt heraus, erzählte Hennevogl, Das ursprüngliche Abbild der Realität werde so zur Abstraktion, auf das Wesentliche reduziert zu etwas Außergewöhnlichem – was bei aller graphisch überbordenden Detailfülle oft auch zu sehr hintergründigen Effekten führt. Im Schnitt dreihundert Stunden arbeite er an seinen Riesenwerken: „ Das ist wie ein Marathonlauf, verteilt auf mehrere Monate“.
Vorbild Albrecht Dürer
Ursprünglich geschult am grobflächigen Schnitt der Expressionisten rückten bei Hennevogl aber bald die handwerklich hochartifiziellen Detailtechniken in den Vordergrund, wie er sie auf japanischen Holzschnitten, vor allem aber bei seinem Vorbild Albrecht Dürer fand. Die in eine außergewöhnliche Bildersprache mündende Verfeinerung des traditionellen Mediums Linolschnitt hat Hennevogl bereits zahlreiche Ausstellungen unter anderem in Frankfurt, Berlin, Nürnberg, Kassel, München oder Prag eingebracht. Einige seiner Werke befinden sich auch im Besitz renommierter Kunstsammlungen, darunter das Museum für Moderne Kunst und das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt. Ein Bild von den Alltagsabstraktionen des neuen Stadtdruckers kann sich jeder selbst vom 3. September bis 28. November machen. Dann ist ein Querschnitt aus Hennevogls Werk im Ausstellungsraum des Gutenberg-Museums zu sehen.

