Nein zu Ausgleich auf Vorrat
09.09.2010 - BÜRSTADT
Von Oliver Lohmann
LANDWIRTSCHAFT Bauernverband kritisiert geplanten Flächenverbrauch in Bürstadt
Landwirte haben in der heutigen Zeit mit zahlreichen Problemen zu kämpfen: Die Bürokratie kostet viel Zeit, Schädlinge müssen bekämpft werden, das Wetter spielt nicht immer mit, aber vor allem wird die landwirtschaftliche Nutzfläche immer kleiner. Dr. Willi Billau, Sprecher für den Kreis Bergstraße beim Regionalbauernverband Starkenburg, treibt vor allem der letztgenannte Punkt Sorgenfalten auf die Stirn. Denn gerade im Ried gibt es ständig neue Baugebiete und Straßenbaumaßnahmen. Gegenüber unserer Zeitung sagte Billau, seine Bürstädter Kollegen und er ärgerten sich über ein Vorhaben der Stadt, das landwirtschaftliche Fläche vernichte.
Die Stadt Bürstadt will bei Ausgleichsflächen für Bauvorhaben neue Wege gehen: mit einem Ökosparbuch. Eine Biologin schlug vor kurzem vor, ein 19 Hektar großes Grundstück in der Altrheinschlinge bei Riedrode in ein Ökokonto (als Wald und artenreiches Grünland) umzuwandeln. „Wir werden gegen dieses Vorhaben kämpfen“, versichert Billau. Die Ackerflächen würden dringend benötigt, denn es sei nicht nur damit zu rechnen, dass das Bürstädter Biogaskraftwerk wieder den Betrieb aufnehme, sondern dass in Nordheim und in Lampertheim weitere Anlagen entstünden. Für jede Biogasanlage seien 500 Hektar Maisfelder nötig.
Verärgert ist Billau auch über Vorschläge, im Süden Lampertheims einen Regionalflughafen zu errichten. Zwar hätten Landwirte aus dem Ried dort keine Felder, aber man unterstütze die baden-württembergischen Kollegen zu 100 Prozent bei der Verhinderung eines solchen Vorhabens. „Allein in Hessen werden täglich 6 Hektar Fläche zugebaut. Das kann so nicht weitergehen, denn unsere Flächen sind verdammt knapp“, sagt Billau.
Der Sprecher des Bauernverbands ist auch unzufrieden mit den Politikern, die zusagten, die Verordnung über Ausgleichsflächen zu ändern - es sei noch nichts passiert. Die Landwirte sind gegen einen ortsnahen Ausgleich: In der Rheinebene könnten nicht alle Baugebiete ausgeglichen werden, sinnvoller sei es, das in Regionen wie dem Odenwald oder im Vogelsberg zu tun. Dort sei ein Aufforsten möglich, die Landwirte freuten sich aber auch über eine Extensivierungsbeihilfe. Militärische Konversionsflächen eigneten sich ebenfalls für Ausgleichsmaßnahmen.
„Wir sind nicht prinzipiell gegen Straßen, Baugebiete oder Flughäfen. Aber wir sind nicht bereit, Flächen dafür und auch noch für Ausgleichsmaßnahmen herzugeben“, so Billau. Die Landwirte versuchen auch, sich gegen die vierspurige Südumfahrung Rosengarten zu wehren. Nach Aussage ihres Anwalts Matthias Möller-Meinecke warte man derzeit auf die Erwiderung des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen auf die Einwendungen der Landwirte gegen die vorgestellten Planungen.
Ein Projekt, das Billau und anderen Berufskollegen auch nicht gefällt, ist eine Fotovoltaikanlage auf einem Acker zwischen Lampertheim und Rosengarten. Ob diese gebaut wird, steht noch nicht fest. Die Stadt Lampertheim hat die Voraussetzungen geschaffen, aber Hermann Krug aus dem Rosengarten rechnet noch und wartet, inwieweit sich ein neues Gesetz über die Kernenergie auf die Förderung von erneuerbaren Energien auswirkt. Lohnen könne sich die Investition, falls Solarmodule billiger werden. Krug: „Ich hoffe, dass ich das Fotovoltaik-Projekt realisieren kann.“
