Von Julia Neuert
GASTRONOMIE Mit gemischten Gefühlen ins neue Jahr/"Eigeninitiative ist das A und O"
Tourismusbetriebe erwarten bessere Geschäfte - so lautet das Ergebnis der neuesten Umfrage zur Konjunktur der Branche, durchgeführt von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt. Bereits zum zweiten Mal wurden dazu 400 Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe sowie Campingplätze, Reisebüros und Reiseveranstalter in der Region Darmstadt-Rhein-Main-Neckar befragt. Doch, und auch das hat die Studie der IHK ergeben: Die Krise ist auch in der Tourismuswirtschaft längst noch nicht beendet. So gehen auch Hoteliers und Gastronome in Bürstadt mit eher gemischten Gefühlen ins neue Jahr.
"2009 war kein besonders gutes Jahr", zieht Gerlando Lauricello, Inhaber des Restaurants "Zur Krone" in Bürstadt, Bilanz. "Aber ich denke, dass es in 2010 wieder besser wird." Touristische Vermarktungsinitiativen in der Region Odenwald und dem Kreis Bergstraße wie beispielsweise der Wanderweg Nibelungensteig oder der Nibelungenzug spielen für den Gastronom in Bürstadt dabei kaum eine Rolle. "Man muss selbst die Initiative ergreifen und Angebote machen", erklärt Lauricello. Dies bekräftigt auch Wolfgang Veltwisch, Betreiber des Landgasthofs "Waldschänke" in Bürstadt und Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes. "Eigeninitiative ist das A und O", betont er. Die Umsätze seien in den letzten Jahren gleichbleibend, doch mit der allgemeinen Wirtschaftskrise hätte das kaum etwas zu tun. Für eine Beurteilung, ob sich die touristische Vermarktung der Region sowie ein geplanter Ausbau des Nibelungensteigs bis nach Zwingenberg auch auf die Gastronomie in Bürstadt positiv auswirkt, sei es zu diesem Zeitpunkt noch zu früh. "Mit der Vermarktung des Nibelungensteigs geht es jetzt erst richtig los", erläutert Veltwisch. "Wenn das bekannter wird und die Leute darauf aufmerksam werden, ist das sehr gut."
Hotels und Pensionen profitieren seit dem 1. Januar 2010 bundesweit durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz der Bundesregierung, mit dem der Mehrwertsteuersatz für Übernachtungen auf sieben Prozent gesenkt worden ist. "Wir werden diese Ersparnis in die schon lange notwendige Renovierung investieren", so Helmut Gerlitschka, Inhaber des Hotel-Restaurants "Am Waldschwimmbad" in Bürstadt. Bei steigenden Kosten seien die Preise für Übernachtungen in den letzten zehn Jahren nicht erhöht worden, so dass für diese Investitionen bisher kein Spielraum geblieben sei. Das Hauptgeschäft des Restaurants liegt ebenfalls weniger im Tourismus als im Bereich von Firmen- und Industrie. "Wir leben von Geschäftskunden und der Kundschaft in der Umgebung", sagt Gerlitschka. Inwiefern die touristischen Initiativen Erfolge bringen, müsse man abwarten. "Wir sind optimistisch und gehen positiv ins neue Jahr", fasst der Hotelier- und Gastronom zusammen.
Auch bei Hermann Krug, Inhaber des Restaurants "Spargelkrug" in Lampertheim, bilden Industrie- und Firmenveranstaltungen einen wesentlichen Teil des Geschäfts. "Ich bin eher pessimistisch, wenn man die Prognosen der Wirtschaft hört", erläutert Krug die derzeitige Lage. Viele Kollegen hätten Umsatzeinbußen zwischen fünf und 50 Prozent im letzten Jahr zu beklagen, und so sei vor allem die Eigeninitiative der Gastronomen gefragt. "Man darf nicht immer nur klagen", so Krug. "Man muss auch Ideen haben und die Ärmel hochkrempeln."
