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Bürstadt 

"Ihr seid bei uns erwünscht"

17.08.2009 - BÜRSTADT

Von Sabine Weidner

BOXRING Trainer Gerd Meyer lehrt Theorie und Praxis eines fairen Kampfes

"Motivation dafür, den Boxsport zu betreiben, ist für viele, die das Talent zum Boxen haben, heute nur das Geld" - Gerd Meyer, Trainer und Chef im Boxring Bürstadt, findet das sehr bedauerlich. 1980 hat er mit einigen Mitstreitern den Boxring Bürstadt gegründet und ist seitdem Vorsitzender. Der drahtige 69 Jahre alte Meyer hat selbst mit dem Boxsport 1956 angefangen: "Der schlechte Ruf dieses Sports wird ihm fälschlicherweise angehängt", sagt er. Natürlich gäbe es, wie überall, schwarze Schafe, doch sei das Boxen eine gute Methode, Ängste zu besiegen und Aggressionen und Schwierigkeiten zielgerichtet in einem fairen Kampf abzuarbeiten. "Das Boxen und die Vorbereitung dazu dienen als ganzheitliche Ertüchtigung des Körpers", erklärt der B-Trainer, dazu gehöre auch das Konditionstraining, beispielsweise mit Radfahren im Sommer.

In vielen Gremien, auch auf der politischen Ebene, setzt Meyer sich für die sportliche Betätigung und deren intensive Förderung ein. Seit 2005 ist der Leiter des Boxrings Mitglied im Landesfachausschuss Sportpolitik und in der Bundessportkommission als sachkundiger Bürger. "Man kann heute schon so vieles medizinisch feststellen", ist er überzeugt, dass man bereits im frühesten Menschenalter beim Arzt eine Empfehlung für den individuell besten Sport erhalten könne. Dadurch würden bei konsequentem Training, den Krankenkassen sehr viele Kosten erspart, die später im Alter durch mangelnde Bewegung und fehlenden Ausgleich auftreten würden. Zudem gehe es beim Boxen um Fairness, Integration und das Miteinander.

Für seinen Sport wirbt der studierte Maschinenbauer auch bei den Neubürgern mit Migrationshintergrund und hat eigens ein Faltblatt als Werbung entwickelt, das derzeit flächendeckend verteilt wird. "Fit fürs Leben" titelt das Infopapier. "Boxtraining ist Bewegung und Wegweiser, schafft eine ganze Menge an Gemeinsamkeiten", weiß Meyer aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung. Sportler aus fünf Nationen gebe es zurzeit, fast die Hälfte davon hätten einen Migrationshintergrund. "Die Sportler und der Sport sind die größte Integrationsunterstützung", stellt der Inhaber des Landesehrenbriefes fest. Die klare Aussage "Ihr seid bei uns erwünscht" richtet sich an alle Geringverdiener, Migranten und deren Kinder. Der Mitgliedsbeitrag wird vom Verein übernommen, wenn sich Zugehörige dieser Gruppierungen in Bürstadt melden.

"Wir vermitteln Regeln und fungieren als Anlaufstelle für die Jugendlichen", der Sport stärke das Selbstbewusstsein - natürlich seien auch alle deutschen Jugendlichen und Erwachsenen bei den Trainings in der Erich Kästner-Schule willkommen. Für Meyer steht fest, dass es positiv sei, früh im Leben mit einem regelmäßigen Sport zu beginnen - bestenfalls schaue man dann auch bei ihm im Boxring herein, wenn man bereit ist, diesen Kampfsport in Theorie und Praxis zu erlernen. In Bürstadt tun dies derzeit zwischen zehn und 20 aktive Boxer und eine nicht genau definierte Zahl an kurzzeitigen Boxbegeisterten. Das Aggressionsventil Sport allgemein und Boxen im Besonderen erlangte durch Spitzensportler wie Cassius Clay, besser bekannt als Muhammad Ali, der als einer der größten Schwergewichtsboxer aller Zeiten gilt und besonders durch seine politischen Äußerungen gegen den Vietnamkrieg und für die Emanzipationsbewegung der Afroamerikaner in den 69er Jahren auffiel. Clay begann das Boxen mit zwölf Jahren aus Wut über einen Fahrraddiebstahl.

Der Deutsche Henry Maske machte den Boxsport greifbar und salonfähig, setzt sich heute mit einer Stiftung für "A Place for Kids" in der Jugendarbeit ein. Die Brüder Wladimir und Vitali Klitschko sorgen mit ihrem skandalfreien Leben und ihrem Studium der Philosophie und Sportwissenschaften sowie einem eher konservativen Familienleben für eine Aufwertung des Boxsports in der breiten Öffentlichkeit. "Diese Aushängeschilder tun dem Image des Boxsports gut", weiß Meyer, der sich auf großen Zuspruch zu seinem Sport in Bürstadt freut. Ganz deutlich sagt er jedoch: "Wenn uns bekannt wird, dass einer unserer Leute das erlernte Boxen für Prügeleien nutzt, ist er raus."

Der Boxring Bürstadt ermöglicht fairen Kampfsport für alle.Vergrößern

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