Drachen, Tiere und Akrobaten: Fastnachtsumzug lockt Tausende nach Bürstadt
20.02.2012 - BÜRSTADT
Von Sabine Weidner
KARNEVAL Fastnachtsumzug lockt wieder Tausende in die Bürstädter Innenstadt
Prasselnder Bonbonregen, die Sonne am Himmel und Unmengen verkleideter, jubelnder Menschen am Rand der Umzugsstraßen - die Rahmenbedingungen waren perfekt für Bürstadt am Fastnachtssonntag 2012. Knappe Kassen, enge Gürtel und die Suche nach Lösungen verbargen sich im Zugmotto „Schulden drücken schwer - ein Goldesel muss her“. Den Dukatenspender konnte keiner erfinden, jedoch waren in der Umsetzung des Mottos der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Einen Wagen bauen oder passende Kostüme finden, war gar nicht so einfach, zieht sich das „Sparen“ doch bereits im zweiten Jahr auch durch die fünfte Jahreszeit. Im 113 Nummern starken Lindwurm dominierte die Jugend, fast immer in den Vereinsfarben unterwegs, oder, wie beim Heimat- und Carnevalverein auch einmal als wilde Tiere, dem Motto der jüngsten Garde. Daneben gab es alteingesessene Vereinsrecken, immer bereit, wenn es um ein Scherzchen oder den lautstarken Schlachtruf des eigenen Klubs ging. Dabei wurde der Spaß sprichwörtlich auf die Straße gebracht.
Ohne Töne wäre es viel weniger schön gewesen: Musikgruppen sorgten mit allen gängigen Fastnachtshits für flotte Tanzeinlagen der Zuschauer von einer Straßenseite zur anderen, immer dann, wenn der Tross ins Stocken kam. Das war häufiger der Fall und zwar aus gutem Grund: Viele der Fußgruppen hatten eine kleine Kostprobe ihres Könnens dabei und führten den Jubelnden Tänzchen, Hebefiguren oder komplette Laufchoreografien (Dance-Point Limburg) vor.
Allein durch ihre Verkleidungen und die perfekt steinzeitlich hergerichteten Fahrzeuge à la Fred Feuerstein machte der Kindergarten Sankt Peter klar: „Sind die Kassen leer, muss die Steinzeit wieder her.“ Auch der DFC Unner uns hatte „Vunn allem ebbes - awwa koa Geld“. Mit Menschenkraft strampelte der SPD-Stadtverband durch die Gassen und verkündete: „Wir haben die Schulden satt, wir strampeln für die Stadt.“ Die Junge Union hielt es „arm, aber sexy“, und die TSG Bürstadt meinte: „Unser Goldesel kann nicht mehr, darum haben wir keine Taler mehr.“ In ihrem Gefolge hatten sie einen kleinen grauen Esel, der vom Münzenmachen ganz erschlafft war.
Stockende Sportstättenplanung
Die stockende Sportstättenplanung prangerte der Pfeil- und Bogenclub an: „Ohne eigenes Gelände keine Halle für unseren Sport“ stand dort. So ganz mochte man dem Motto „Schulden drücken schwer - ein Goldesel muss her“ nicht Glauben schenken, denn von den Motivwagen wurde teilweise mit vollen Händen recht kreatives Wurfmaterial in die Menge geschleudert. So wurde auch der Leitspruch mit einem Augenzwinkern umgesetzt. Vom banalen Gutsel bis zu Spülschwämmen, verschweißter Wurst, Eis zum Lutschen, Kleinspielzeug und Papiertaschentüchern flogen die unterschiedlichsten Dinge durch die Luft und wurden mit „Helau“ eingesäckelt.
Warm verpackt, manchmal auch mit Strumpf an der Posaune, tröteten Guggemusiker in grellbunten Klamotten ebenso, wie die Brassband aus Biblis, die ihrer Devise immer teuflisch gut zu sein, auch optisch perfekt entsprach. Direkt vor den Jüngsten der Bürstädter Feuerwehr im Lindwurm eingereiht zeigte Stabführer Erik Minnder, was er und seine Musiker vom Musikzug Bürstadt/Hofheim mit ihren Instrumenten drauf- haben. Die Zaungäste klatschten mit und hörten damit nicht auf, als die Feuerstrolche als Schweine und Kühe vorbeitippelten. Die Feuerwehrjugend hatte wohl einen intensiven Blick auf das Prinzenpaar geworfen, das den Beinamen „von Fleischeronien“ trägt und, ganz bürgerlich, eine Metzgerei besitzt.
