Auf eine bessere Zukunft warten?
27.04.2010 - BIBLIS
KAB Birgit Zenker referiert über "Garantiertes Grundeinkommen"
(wb). "Hab´ ich eine Arbeit, bin ich drin in der Gesellschaft - hab´ ich keine, bin ich draußen." In einem Satz drückte Birgit Zenker, Bundesvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) aus, was in Deutschland derzeit passiert.
"Der Wert der Arbeit geht verloren", fügte sie in ihrem Vortrag zum "Garantierten Grundeinkommen", wie die KAB Deutschland es fordert, am Sonntag im Bibliser Bürgerzentrum an. Mit Beispielen der Willkür, wie sie es nannte, bei denen Arbeitslose Wände von Wohnungen streichen müssten, in die nie Menschen einzögen, untermauerte sie ihre Aussage: "Wir sitzen doch nicht im Wartesaal für eine bessere Zukunft." Die "Überproduktion der Überflussgesellschaft", die Besserverdienenden, die in den Genuss von Vergünstigungen kämen - "es ist genug für alle da", proklamierte Zenker. Früher habe doch auch der Ertrag eines Arbeitenden für den Erhalt der Familie gereicht: "Die Frauen waren immer Zuhause", stellte sie fest. Heute sei es kaum machbar, dass nur ein Erwachsener in der Familie arbeiten ginge. Die unterschiedlichsten Varianten, wie die Politik den Zustand ändern möchte, würden allesamt beklatscht - doch keine tragbar umgesetzt. Langzeitarbeitslose, Existenzpendler, ein geringer Prozentsatz "Normalarbeiter" und diejenigen, die sich am Rande der Arbeitsgesellschaft befänden und sich bereits aus der Solidarität verabschiedet hätten, daraus bestünde die Gesellschaft zurzeit.
"Die Arbeit ist mehr als Erwerbsarbeit", fordere die KAB, den Wert der Arbeit wieder in den Fokus zu rücken. Die KAB spricht sich dafür aus, Arbeit und Reichtum zu teilen, als Weg in eine neue Arbeitsgesellschaft. Die soziale Sicherheit müsse von der Arbeit entkoppelt werden. Eine voraussetzungsfreie, individuelle und personenbezogene Bezahlung mit Rechtsanspruch solle Existenzsicherung und Freiräume für die soziale und gesellschaftliche Entwicklung bringen. Gleich, ob der Empfänger erwerbstätig ist oder nicht. "Arbeit hat auch eine soziale Funktion", bekräftigte sie, denn man treffe Kollegen, erhalte Anerkennung und könne eigene Kompetenzen zeigen. Zudem müsse der Ausbau des Bildungssystems forciert werden.
"Wir müssen unsere Gesellschaft aktivieren", bezog sie sich auf ein Modellprojekt in Namibia, wo durch entsprechende Umstrukturierungen in einem Ort wieder reges Leben herrscht, wo zuvor Lethargie war. Die Forderungen der KAB Deutschland werden in einer Petition an die Europäische Union gesendet, teilte Zenker mit. Die Inhalte: die Verwirklichung der elementaren Grundrechte, die gerechte Verteilung der gesellschaftliche Wertschöpfung; die Stärkung der Arbeitnehmer gegen die Ausbeutung, die Gleichstellung mit "geschlechtsneutralem" Grundeinkommen und die Ermöglichung von lebenslangem Lernen.
In der anschließenden Diskussion beteiligte sich auch ein mittelständischer Unternehmer, der seine Sichtweise erklärte und die fehlende Arbeitsmoral vieler Arbeitsloser bemängelte. Wie das finanziert werden solle, fragte er - die Antwort der Referentin lautete: "Das Geld ist da." Aus den bisherigen staatlichen Transferleistungen und mit der Wiedereinführung von Höchststeuersätzen könne man ausreichend Mittel schöpfen.
