Von Michael Heinze
CDU-Chef Baldauf für Online-Durchsuchungen bei Problemfans
MAINZ Der rheinland-pfälzische CDU-Chef Christian Baldauf kann sich auch Online-Durchsuchungen bei so genannten Problemfans vorstellen. Dies sagte Baldauf beim Expertengespräch der Konrad-Adenauer-Stiftung in Mainz zum Thema "Zwischen Sportbegeisterung und Gewaltbereitschaft - Sicherheit bei Fußballveranstaltungen."
Baldauf befürwortete die Pläne von Innenminister Schäuble zur Online-Durchsuchung. Werde diese eingesetzt, könne man sie auch bei gewaltbereiten Fußball-"Fans" einsetzen. "Man muss im Vorfeld dringend darüber nachdenken, Sicherheitslücken zu schließen", erklärte Baldauf, seit 25 Jahren Dauerkarten-Besitzer auf dem Kaiserslauterer Betzenberg. "Online-Durchsuchungen muss man auch in diesem Bereich zulassen, weil nicht unterschätzt werden darf, dass viele Dinge im Vorfeld über Computer abgesprochen werden." Zu denken gebe ihm, "dass sich das Gewaltpotenzial nicht auf Erste und Zweite Liga konzentriert, sondern dass es auch in den unteren Ligen gefährlich wird". Davon kann Walter Marx, Leiter der Polizeiinspektion Trier, ein Lied singen. Mit ernster Miene berichtete der Polizeioberrat von den Schlägereien nach dem Oberliga-Derby zwischen Homburg und Saarbrücken, als die Polizei Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzen musste. "Darüber hinaus haben wir in der Oberliga Südwest aber einen relativ ruhigen Saisonverlauf." Dies sei vergangene Runde nicht der Fall gewesen. Damals habe Ex-Zweitligist Eintracht Trier für Negativschlagzeilen gesorgt. "Durch die beiden Jahre Zweite Liga hat sich hier ein Fanpotenzial aufgebaut - auch von Problemfans." Diese Problemfans habe die Eintracht mit in die Oberliga übernommen. "Dass Traditionsvereine nach unten durchgereicht worden sind, ist eine der Ursachen für die Probleme in den unteren Ligen", urteilte Professor Gunter Pilz, Mitglied im Uefa-Experten-Ausschuss "Fair Play und Ethics", im Gespräch mit Moderator Lutz Eberhard, Leiter der Sportredaktion dieser Zeitung. Laut Pilz sind Gewalt und Rassismus "kein Problem, das der Fußball produziert hat, sondern ein gesellschaftliches Problem, das sich auf den Fußball verlagert hat und nicht allein repressiv lösbar ist, sondern nur flankierend mit sozialpädagogischen Maßnahmen". Helmut Spahn, Sicherheitsbeauftragter beim Deutschen Fußball-Bund, erläuterte, in der Ersten und Zweiten Liga habe man "kein Problem mehr in den Stadien, aber außerhalb". Klar ist laut Spahn: "Diesen absolut gewaltfreien Fußball - frei von Rassismus und Diskriminierungen - wird es niemals geben." Der Fußball werde immer Spiegelbild der Gesellschaft sein.
