Stabilitätsprobleme bei Stromnetzen: Energieversorger in Rhein-Main warnen vor Blackout
22.11.2012 - MAINZ / WIESBADEN
Von Ralf Heidenreich
Keine Handy-Verbindung, keine Ampeln, kein Kühlschrank, keine Heizung und auch sonst keine elektrischen Geräte – es ist zwar ein Worst-Case-Szenario, aber mit dem herannahenden Winter wächst die Sorge, dass der „Schwarzfall“ eintritt, also der großflächige Stromausfall, der mehrere Stunden anhält. „Er ist das extremste Szenario, aber bei einer Verkettung ungünstiger Faktoren kann der Schwarzfall passieren“, sagt Peter Lautz, der technische Geschäftsführer der Wiesbadener Eswe.
Kälte, Windstille und Ausfall
Detlev Höhne, der Vorstand der Stadtwerke Mainz, benennt diese Verkettung: „Wenn klirrende Kälte über mehrere Tage anhält, kaum Wind weht, es schneit und dann vielleicht noch zwei Gaskraftwerke ausfallen, wird es sehr eng.“ Er rät der Bevölkerung, „sich intensiv mit der Frage zu beschäftigen, welche Vorkehrungen für den Schwarzfall getroffen werden können“. Das beginne schon bei der Frage, ob im Haushalt eine Taschenlampe und Schlafsäcke greifbar seien.
Tennet registriert Stabilitätsprobleme im Netz
Zuvor hatte Tennet, einer der vier großen Übertragungsnetzbetreiber, eine Verschärfung der Stabilitätsprobleme im Netz registriert. „Die Gefahr eines Stromausfalls ist eher noch gestiegen“, sagte Tennet-Chef Matin Fuchs. Tennet ist jedoch als Übertragungsnetzbetreiber für die Region nicht zuständig, sondern das Unternehmen Amprion (vormals RWE), das neben Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz auch das westliche Hessen umfasst. Den Übertragungsnetzen nachgelagert sind die Verteilungsnetze vor Ort, die in der Region von den Stadtwerken Mainz, Eswe und der Wormser EWR betrieben werden.
Nachdem bereits im Februar diesen Jahres ein Schwarzfall gerade noch abgewendet werden konnte, bezeichnete Amprion-Sprecher Andreas Preuß jetzt die Lage im Netzgebiet als nach wie vor „kritisch“. Hintergrund: Der Ausbau der stark schwankenden Wind- und Solarenergie hält an, gleichzeitig drohen aus diesem Grund Gaskraftwerke, die zum Ausgleich der Schwankungen und damit für die Netzstabilität sehr wichtig sind, zunehmend unwirtschaftlich und damit vom Netz genommen zu werden.
Netzbetreiber: Maßnahmen zur Stabilisierung getroffen
Preuß weist wie Eswe und die Stadtwerke Mainz allerdings darauf hin, dass Amprion in diesem Jahr bereits wichtige Maßnahmen zur Stabilisierung des Stromnetzes ergriffen habe. „So haben wir im Süden den Phasenschieber am Kraftwerk Biblis in Betrieb genommen. Ende November, Anfang Dezember werden wir zusätzliche Kondensatorbänke in Betrieb nehmen, die ebenfalls der Stabilisierung Netze dienen. Wir sind gewappnet“, so Preuß.

