Verletzte bei Brandserie im Berliner Viertel in Mainz - Polizei sucht Brandstifter
09.03.2010 - MAINZ
Von Michael Erfurth und Max Hilger
Seit drei Jahren muss die Feuerwehr immer wieder ins Berliner Viertel ausrücken, weil Unbekannte dort Mülltonnen in Brand gesteckt hatten. Am Wochenende kam es dort zu einer neuen Brandserie, bei der sogar vier Personen, darunter ein vierjähriger Junge, wegen des Verdachts auf Rauchgasvergiftung in der Uni-Klinik untersucht werden mussten. Diesmal blieb es nicht bei brennenden Müllcontainern, sondern es wurde auch am Vereinsheim des Kleingartenvereins „Feierabend“ an der Geschwister-Scholl-Straße gezündelt – und ein Kinderwagen im Keller des fünfgeschossigen Wohnhauses der Berliner Straße 24 angezündet. Dies führte in dem Mehrfamilienhaus zu einer solch starken Rauchentwicklung, dass 20 Mieter von der Feuerwehr gerettet werden mussten. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, den Sachschaden beziffert die Feuerwehr auf 10.000 Euro.
Es war am Sonntag gegen 21.40 Uhr, als die Feuerwehr alarmiert wurde. Beim Eintreffen der Helfer drang dichter, schwarzer Rauch aus den Fenstern des Treppenhauses und aus einer Wohnung im dritten Stock. Die Feuerwehr lokalisiert das Feuer im Kellerabgang des Treppenhauses.
„Wir waren die Ersten, die das gesehen haben. Mein Mann wollte etwas aus dem Keller holen, dabei ist ihm aufgefallen, dass es nach Feuer riecht“, berichtet Yamina Lazar (39), Mutter von drei Kindern. Ihr Mann habe einen brennenden Kinderwagen gesehen und wollte ihn vor die Tür werfen. „Er hatte aber keine Chance mehr, weil alles voller Flammen und Rauch war.“ Man alarmiert die Nachbarn und die Feuerwehr. Julia Faryj (16) aus dem Erdgeschoss erzählt: „Ich hab’ die Tür geöffnet, da kam eine Flamme aus dem Keller und alles war schwarz. Da hab’ ich die Tür wieder zugeknallt.“ Sie sagte ihrer Familie Bescheid und sie sprangen über den Balkon ins Freie. Voller Angst versuchte sie per Klingel die Hausbewohner zu warnen. Auch Familie Lazar aus dem ersten Stock flüchtete mit ihren Kindern auf den Balkon, um dort auf die Feuerwehr zu warten. Das Ehepaar Niederhöfer (beide 61) aus dem zweiten Stock roch den Brand und schaute im Treppenhaus nach. „Alles war voller Qualm, es gab keine Möglichkeit mehr die Treppe runterzukommen“, erzählen sie. „Unser Nachbar wollte sogar mit dem Kind vom Balkon springen. Man hatte das Gefühl, die Luft wird heißer. Das Hirn spielt einem da Streiche“, berichtet das Ehepaar.
Familie mit Fluchthauben in Sicherheit gebracht
Als die Feuerwehr eintraf, warteten die Bewohner auf Balkonen und an Fenstern. Ein Rettungstrupp ging ins dritte Obergeschoss, um die vom Brandrauch betroffene Familie zu betreuen. Mit Fluchthauben wurde die Familie mit zwei kleinen Kindern in Sicherheit gebracht. Währenddessen löschte die Feuerwehr den Kinderwagen. Nachdem das Treppenhaus einigermaßen rauchfrei war, wurden die Bewohner aus ihren Wohnungen geholt und in einer Pizzeria betreut. Außerdem stellte die MVG einen Bus als vorübergehende Unterkunft zur Verfügung. Nach Einsatzende konnten die Bewohner zurückkehren, eine Familie kam vorübergehend bei Freunden unter.
