Die Wormser Inszenierung von John von Düffels Komödie “Das Leben des Siegfried" fand in der regionalen und überregionalen Presse lebhaften Widerhall.
Süddeutsche Zeitung: Rezensent Christopher Schmidt spricht von der “Walhalla der Knallchargen": Für die Zeit der Nibelungen-Festspiele herrscht ein Nichtangriffspakt zwischen den Burgherren des Fernsehens. Einer der wichtigsten Regie-Kämpen ist Dieter Wedel. In Worms hat er sich eine Sommerresidenz auf neutralem Boden geschaffen. ... Zwei Millionen Euro lässt sich das kleine Worms den ebenso feudalen wie inzestuösen Spuk kosten. ... John von Düffel kalauert sich an der Schmerzgrenze durch “Das Leben des Siegfried" trotzdem sind Stück und Inszenierung den äußeren Bedingungen nicht gewachsen. Statt die Rampensau herauszulassen, versucht das Ensemble, die Situations- und Typenkomik zu erfinden, die dem Stück fehlt. Statt Siegfried satirisch aufzuspießen, streckt John von Düffel von vornherein die Waffen. Als Autor bleibt er genauso passiv wie sein Seefred."
Die Welt: Reinhard Wengierek zieht ein positives Fazit: “Diesmal, in Düffels Toberei um allerhand Flach- und einigem Tiefsinn, in diesem Heroismus und Größenwahn amüsant bloßstellenden Allotria voller dramaturgischer Volten gelingt Regisseur Gil Mehmert ziemlich gut die Balance zwischen feinherb Satirischem und klotzigem Spaßgeballer."
Frankfurter Allgemeine Zeitung: “Gnädig überstrahlt der Mond dem Kaiserdom alle matten Kalauer der Etzel-Tabelle", schreibt Rezensent Martin Haller: “Das Nibelungenlied ist pünktlich zur Premiere zum Weltkulturerbe erhoben worden; diese Fassung wird sich dem Gedächtnis des Menschheit nicht einprägen. ... Worms ist nicht Salzburg oder Bayreuth. Dort tummeln sich
richtige Weltstars, hier Prominente aus der näheren Umgebung: rheinland-pfälzische Weinkönige wie Rainer Brüderle, Mainzer Fernsehgewaltige wie Claus Kleber und sein Sidekick Gundula Gause. Was pfauenhaftes Pathos betrifft, kann es Dieter Wedel freilich locker mit dem Wagner-Clan aufnehmen."
Der Spiegel: “Unter dem Titel “Siggi, Günni und andere Antihelden" schreibt Sophie von Puttkamer: “Bei den diesjährigen Nibelungen-Festspielen stößt Intendant Dieter Wedel die größte deutsche Heldensage in den Komödienphul. Doch die Späße sind vorhersehbar und auf dem Niveau der Comedy im Privatfernsehen Glanzpunkte hingegen setzen Akteure und Komponist Gerd Baumann. ... Die stotternde Komödienmaschine wird geschmiert von glänzenden Schauspielern, allen vorn Christoph Maria Herbst als Hagen. ... Höhepunkt der diesjährigen Inszenierung ist vielleicht die Musik. ... Der Festspielintendant versicherteŠ, man werde sich in ’Das Leben des Siegfried´ nicht über die Nibelungensage lustig machen, sondern das Stück dem Spielort angemessen auf die Bretter bringen. Vielleicht liegt hier das Problem. Es ist ein Spagat zwischen dem Respekt vor dem Mythos und dem Streben zur Komödie. Ein Dilemma, das den Funken am Überspringen hindert."

Schon im Ansatz stecken geblieben
Wer sich selbst - wie Autor John von Düffels - in die Nähe der Monty Pythons bringt, muss sich auch gefallen lassen, mit diesen verglichen zu werden. Und dieser Vergleich fällt für die >>Komödie<< "Das Leben des Siegfried" vernichtend aus! Was da am Premierenabend geboten wurde, reichte noch nicht einmal ansatzweise an die Werke der britischen Komikertruppe heran. Tiefsinnig,schwarz, hintergründig, schräg, absurd, satirisch, zum Brüllen komisch - all diese Eigenschaften charakterisieren die Werke der Monty Pythons - nichts davon war vor dem Westportal des Domes zu sehen. Dabei hätte es der Stoff der Nibelungensage durchaus vertragen, derbe nach Manier der genreprägenden britischen Comedians heran genommen zu werden.
Selbst wenn man die Messlatte nicht so hoch hängt und das Machwerk der Wedel-Truppe versucht mit wohlwollenderen Augen zu sehen, kommt man nicht umhin zu resümieren, dass der Versuch sich der Heldensage in Form einer Komödie zu nähern schiefgegangen und schon im Ansatz stecken geblieben ist.
Woran hat es gelegen, dass die Aufführung nicht über dümmlichen Klamauk und plumpen Wortwitz nach Laienspielmanier hinaus gekommen ist? Waren es Angst vor wirklich Neuem, übergroßer Respekt vor dem Mythos oder schlicht und ergreifend mangelndes Talent und fehlender Einfallsreichtum?
Nach sieben Jahren Heldendramatik mit Blut, Schweiß und Tränen drohten die Nibelungenfestspiele eingleisig zu werden und festzufahren. Da war die Idee das Thema als Komödie aufzuarbeiten folgerichtig und weitblickend - geradezu notwendig. Aber was ist daraus geworden? Seichte Unterhaltung ohne Witz und Überraschung mit dem Niveau der Privatfernseh-Comedy. Die diesjährige Inszenierung wird die ohnehin nicht geringe Kritik zusätzlich befeuern und es den Befürwortern der für Worms eigentlich wichtigen Festspiele immer schwieriger machen, diese zu vertreten und verteidigen. Wirklich schade. So bleibt den Festspielbefürwortern nur noch, sich den Titel des Schlusslieds aus der Monty-Python-Komödie "Das Leben des Brian" zu Eigen zu machen - "Always Look on the Bright Side of Life".