Von Jens Frederiksen
Viel zu bestaunen, wenig zu lachen. Für die Festspiele in Worms hat der Bremer Erzähler John von Düffel den Nibelungenstoff in diesem Jahr zu einer Komödie umzuarbeiten versucht. Er hat dafür einen Gewürzhändlerssohn mit Namen Seefred erfunden, den er mit der Gutherzigkeit des Ahnungslosen in die Rolle des Drachentöters Siegfried stolpern lässt - die Geschichte einer Verwechslung. Vor dem Westchor des Wormser Doms hat Regisseur Gil Mehmert sie jetzt in ein aufwändiges Spektakel mit viel Dampf, klarinettespielenden Rittern und schlittschuhlaufenden Amazonen verwandelt. Doch von Lustspiel-Furor keine Spur – das „Leben des Siegfried“ erwies sich bei der Premiere am Freitagabend als äußerst bemühter Zweieinhalb-Stunden-Ulk.
Schon der Prolog mit stotterndem Herold und aufgeregt fistelnden Eltern bei der Vertauschung der Neugeborenen Siegfried und Seefred wirkt mehr albern als komisch. Und aus diesem Fahrwasser findet die Aufführung in der Folge nicht mehr heraus. Als der Siegfried-Ersatz Seefred nach einem Zeitsprung von 20 Jahre den Seeweg nach Indien zu suchen beginnt, muss er in eine quittegelbe Jolle steigen, um so zum Meister im „Einhandsegeln“ zu avancieren. Die Vögel, die ihm erstmals Land verkünden, sind zwei überlebensgroße Raben auf metallenen Schwungstelzen, die auf die Namen Udo und Jürgens hören und jederzeit Gereimtes im Walzertakt zum Besten zu geben bereit sind. In Brünhilds Island regieren schicke Weiber mit Designerhelmen, während der Burgunderhof in Worms mit zwei Riesenpudeln punktet, die als Gernot und Gislher zwischen König Gunther und seiner Schwester Kriemhild hin und her scharwenzeln.
Gegen so viel Puppenkisten-Possierlichkeit vermag auch eine so illustre Darstellerschar wie die von Dieter Wedel nach Worms engagierte wenig auszurichten. Auch wenn es Nina Petri als Brünhild fast mühelos gelingt, neben die speerschwingende Kämpferin im Paillettenkleid die schüchterne Liebende zu stellen; auch wenn mit dem untersetzten Gustav Peter Wöhler als König Gunther und dem „Stromberg“-Darsteller Christoph Maria Herbst als kühl und lässig mit Bürozyniker-Qualitäten auftrumpfenden Hagen der Burgunderhof bestens bestückt ist – wirklich in Schwung kommt die Aufführung nie. Wenn daher am Ende der rührend tapsige Seefred des Mathias Schlung auf Kriemhilds Luftmatratzen-Doppelbett hingemeuchelt liegt, mischt sich beim Zuschauer unter das Mitgefühl mit dem armen Burschen und den Respekt für den Riesenaufwand, der insgesamt auf der Bühne betrieben wird, unübersehbar auch die Erleichterung darüber, dass es überstanden ist.
Ausführliche Kritik am Montag in der Druckausgabe dieser Zeitung

Eine Verschwendung von Lebenszeit!
Als ich davon hörte, dass die diesjährige Version des Stücks eine Komödie werden würde, war ich angenehm überrascht. Auch die Namen der Schauspieler versprachen einiges und ich freute mich sehr auf die Premiere.
Diese Freude wich aber schon nach den ersten Sätzen blankem Entsetzen. Was da geboten wurde war nicht mehr als eine minderwertige Schulaufführung mit platten Wortwitzen und klamauk- bis slapstickartigen Ulkereien.
Trotz aller Bemühungen wach zu bleiben habe ich nach der "Etzeltabelle" dann doch mein Kopfkissen vorgezogen.
Für das nächste Jahr empfehle ich, zwecks Kosteneinsparung lieber einer Wormser Laienspielgruppe das Feld zu überlassen. Mehr als Bauerntheater war das nun wirklich nicht.