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KULTUR 

Nibelungen-Festpiele: Komödie zum "Tag der Kulturvielfalt"

22.05.2009 - WORMS

Von Roland Keth

Selten herrschte bei der Pressekonferenz vor Beginn der Nibelungen-Festspiele eine so gelöste Atmosphäre, wurde so viel gelacht. Kleines Beispiel: Christoph Maria Herbst, bekannt als Stromberg-Darsteller und in diesem Festspielsommer als Hagen auf der Dom-Bühne zu sehen, kommt ins Andreasstift. Regisseur Gil Mehmert frotzelt: “Was machst Du denn hier?" Antwort: “Och, ich bin rein zufällig hier, ich habe in der Gegend ein Autobahnteilstück eröffnet."

Solche und ähnliche Kalauer sind an diesem Morgen noch einige zu hören, was allerdings gut passt, denn in diesem Jahr bekommen die Zuschauer am Westchor des Domes keine Tragödie zu sehen, aufgeführt wird erstmals eine Komödie: Bestseller-Autor John von Düffel hat “Das Leben des Siegfried" geschrieben.
Intendant Dieter Wedel, gerade zurück von mehrwöchigen Dreharbeiten in Südafrika, und Gil Mehmert ist es wieder gelungen, ein hochkarätiges Ensemble zusammen zu stellen.

Am Podiumstisch im Andreasstift sitzen außer Christoph Maria Herbst noch Nina Petri (Brünhild), Mathias Schlung (Seefred) und Susanne Bormann (Kriemhild). Das Interesse ist groß: fünf Kamerateams und 60 Print- und Fotojournalisten verfolgen die Pressekonferenz aufmerksam, geduldig geben Mehmert und die Schauspieler Interviews, lassen sich mit und ohne Medienstar Wedel fotografieren.

Mit zum Ensemble gehören noch Gustav Peter Wöhler (Gunther), Gennadi Vengerov als Tuborg, ebenfalls eine neue Rolle, Inga Busch (Frigga) sowie Mark Weigel und Thorsten Krohn. Statisten werden 2009 übrigens keine gebraucht. Eine kleine Überraschung haben die Festspielmacher an diesem Morgen noch parat: André Eisermann, einziger Mime, der bislang bei allen Aufführungen in unterschiedlichen Rollen mitwirkte, darf als “Wormser" diesmal Siegfried spielen.

Eine tragende Rolle oder gar “die" Hauptrolle wie früher? Dazu, aber auch zum Inhalt des Düffel-Stückes mochten Wedel, Mehmert und die Schauspieler partout keine Angaben machen. “Eine Komödie lebt von der Überraschung. Deshalb wollen wir nicht zuviel über das Stück verraten", wehrt Wedel-Assistent Joern Hinkel gleich zu Beginn der Pressekonferenz alle Nachfrage ab. Auch mit “Fangfragen" lässt sich keiner der Schauspieler aus der Reserve locken.

Gil Mehmert deutet lediglich an, dass es sich um eine Verwechslungskomödie handele, dass beispielsweise Dinge, die man eigentlich von Siegfried erwarte, in Seefred steckten. “Seefred ist die zentrale Figur. Er eröffnet die Möglichkeit, die Sage aus einer neuen Position heraus zu erkunden."

Gespielt werde ,backstage', also hinter der (Nibelungen-) Bühne. “Die Tür geht einen Spalt auf, der Zuschauer blickt wie durch ein Schlüsselloch auf das Geschehen." Wedel ergänzt: “Nach sieben Jahren haben wir in diesem Sommer erstmals die Chance, dass ein paar Burgunder am Ende überleben. Eine solche Spannung hatten wir bisher noch nie." Viel mehr ist inhaltlich allerdings nicht zu erfahren.

Theaterbegegnungen mit Jürgen von der Lippe, Ottfried Fischer, Manfred Zapatka, Lars Reichow, Meister-Pantomime Milan Sladek ­ auch das Rahmenprogramm der Festspiele ist reichlich mit klangvollen Namen gefüllt.

“Die UNO hat den internationalen Tag der biologischen Artenvielfalt ausgerufen, wir in Worms setzen auf kulturelle Vielfalt", betonte OB Michael Kissel bei seiner kurzen Begrüßung. Kultur und die Nibelungen-Festspiele seien ein knallharter Wirtschaftsfaktor, kein Luxus. “Und in Krisenzeiten können wir dadurch vielleicht auch ein bisschen Mut und Zuversicht vermitteln."

Das Ensemble der Nibelungenfestspiele. Foto: Rudolf Uhrig

Dieter Wedel stellt Ensemble und Redisseur vor - Dieter Wedel (r.) mit Regisseur Gil Mehmert (4.v.l) und den Schauspielern Christoph Maria Herbst (l.), Mathias Schlung (2.v.l), Nina Petri (3.v.l) und Susanne Bormann (5.v.l). Foto: Rudolf UhrigVergrößern

Das Nibelungenlied

Das Nibelungenlied ist als mittelhochdeutsches Heldenepos um das Jahr 1200 von einem namentlich nicht bekannten Dichter im Donaugebiet verfasst worden. In 39 sogenannten Aventiuren (Abschnitten) erzählt das Werk von Siegfrieds Werben um die burgundische Königstochter Kriemhild. König Gunther verspricht Siegfried, dass er Kriemhild als Ehefrau bekommt, wenn er ihn bei der Eroberung der isländischen Königin Brünhild unterstützt. Mit Hilfe einer Tarnkappe, die Siegfried unsichtbar macht, können sie die starke Frau überlisten.

Ein großer Teil des Epos spielt in Worms. 1755 wurde das seit dem 16. Jahrhundert in Vergessenheit geratene Epos von dem Lindauer Arzt Jacob Hermann Obereit wieder entdeckt.

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