Chinesische Gruppe kommt an Wormser Fachhochschule - Bosch im Interview
21.10.2010 - WORMS
Von Johannes Götzen
Gerade ist eine Wormser Delegation aus China zurückgekehrt, wo Worms gemeinsam mit Speyer partnerschaftliche Bande zur Stadt Ningde knüpft. Im November wird eine chinesische Gruppe von der tropischen Insel Hainan nach Worms kommen zu einem Seminar an der Fachhochschule. Und kurz vor seinem Abflug nach China stand uns Professor Dr. Jürgen Bosch, Leiter des Arbeitskreises China an der FH, für ein Interview zum Thema zur Verfügung.
Herr Professor Bosch, Worms sucht derzeit Beziehungen zu China. Was sind die Chancen?
Zur Zeit gibt es sehr viele Städte in Rheinland-Pfalz, die sich um Partnerschaften mit chinesischen Städten bemühen oder diese schon begründet haben. Meist Städte der rheinland-pfälzischen Partnerprovinz Fujian. Diese Provinz ist sehr schön und hat ein enormes Potential. Sie wurde wirtschaftlich lange Zeit aus strategischen Gründen von der Zentralregierung vernachlässigt wegen der Nachbarschaft zu Taiwan und der Spannungen zwischen den Regierungen der beiden Systeme, die nicht selten äußerst gefährlich waren. Dies gehört aber jetzt der Vergangenheit an. Man investiert in Fujian, nicht nur von Peking aus, sondern auch von Taiwan und anderen Weltgegenden aus. Ein Riesenaufschwung ist vorprogrammiert. An diesem können wir teilhaben und zwar von Beginn an.
Die Fachhochschule unterhält schon seit langem Beziehungen zu China. Wie fing das an?
Es war zu Beginn der 80er Jahre, als ich nach Worms kam. In China hatte sich Deng Xiaoping durchgesetzt, ein Mann der in seiner Wirkung für China mit Ludwig Erhard für das Nachkriegsdeutschland zu vergleichen ist. Damals schon gründete ich den Arbeitskreis China an der FH Worms (AKC). Ich organisierte Sprachkurse für Chinesisch. Es mussten mehrere parallel angeboten werden, so groß war das Interesse. Ich fuhr schon 1981 mit 33 Assistenten und Studenten nach China, damals gewiss nicht alltäglich. Starke Unterstützung kam zu dieser Zeit vom Kultusministerium in Mainz. Es war Herr Ministerialrat Friedhelm Schwamm, der dafür sorgte, dass die allerersten chinesischen Studenten in Deutschland, die ein volles Studium mit Abschluss absolvierten, nach Worms gekommen waren, dank eines weitblickenden Staatsvertrages mit dem Touristikministerium in Peking. Für diese Studenten gründete ich in Worms auch die Gesellschaft für deutsch-chinesische Freundschaft Worms.
Wieviele Studierende aus China sind heute in Worms und umgekehrt?
Wir haben sehr viele chinesische Studenten ununterbrochen an der FH. Sie gehören von den Leistungen her fast ohne Ausnahme zu unseren besten Studenten. Umgekehrt ist alles in die Wege geleitet. Die Vizepräsidentin der FH Worms, Professor Dr.-Ing. Jutta Binder-Hobbach hat eine ganze Reihe von Partnerschaftsverträgen mit überaus attraktiven Hochschulen in China geschlossen. Das wird noch etwas zögerlich wahr genommen, wird sich aber entwickeln. Von mir kann ich vermelden, dass der erste Student der FH Worms, der in China studiert hat und der heute in China eine führende Position einnmimmt, der jüngste Student war, der einst im Jahre 1981 zu den 33 gehört hatte, die mit mir nach China gezogen sind.
