Starke Hausmacht
29.03.2011 - MAINZ
Von Jens Hoffmann
LANDTAG Seit gestern ist klar: Neun Mainzer vertreten die Landeshauptstadt im Parlament
Gleich neun Abgeordnete mit Mainzer Wohnsitz treten am 18. Mai bei der konstituierenden Sitzung in den neu gewählten Landtag ein und bilden eine starke Hausmacht für die Landeshauptstadt. Knapp neun Prozent der Abgeordneten sind Mainzer. Dabei sind altbekannte, aber auch relativ neue Gesichter.
Kaum damit gerechnet, aber dank des fulminanten Ergebnisses der Grünen mit Listenplatz 18 in den Landtag geschafft hat es der Student Gunther Heinisch. Der 32-Jährige saß jahrelang im Marienborner Ortsbeirat und war AStA-Vorsitzender an der Uni. Heinisch ist seit 2004 im Stadtrat und seit 2009 stellvertretender Ortsvorsteher in der Altstadt. Dort arbeitet er - sollte es zu Rot-Grün kommen - mit seiner künftigen Mitkoalitionärin Ulla Brede-Hoffmann zusammen. Seine Expertise verortet er in der Kultur- und Hochschulpolitik. Die Magisterarbeit im Fach Politikwissenschaft will Heinisch nebenher fertigschreiben: „Das muss drin sein.“
Bislang nicht in öffentlichen Ämtern in Erscheinung getreten ist Ulrich Steinbach. Der 42 -Jährige hat aber Erfahrung auf Landesebene: bis 2006 war er zwar nicht Abgeordneter, aber Landesgeschäftsführer der Grünen-Landtagsfraktion. Der Finanzfachmann ist Beamter beim hessischen Landesrechnungshof. In Mainz sitzt Steinbach in den Aufsichtsräten der Wohnbau und der Zentralen Beteiligungsgesellschaft. Er wohnt in der Neustadt.
Dr. Dr. Rahim Schmidt, der sich „als erster Mensch mit Migrationshintergrund im Mainzer Landtag“ bezeichnet, ist gleich zweifach promoviert: als Mediziner und Agrarwissenschaftler, und diese Fachkenntnisse will er in sein politisches Handeln einbeziehen. Schmidt arbeitet bisher als niedergelassener Arzt und möchte künftig „einen Tag in der Woche in der Praxis arbeiten.“ Der 52-Jährige ist im Ortsbeirat Finthen aktiv.
Von der Schule in die Partei, vom Hörsaal in den Landtag - das gilt wie für Heinisch auch für Pia Schellhammer, mit 26 Jahren die jüngste in der Grünen-Riege. „Politik für junge Menschen zu machen“, lautet ihr Credo. Aufgewachsen ist Schellhammer in Oppenheim, vis à vis der Atomkraftwerke Biblis, was sie früh für energiepolitische Fragestellungen sensibilisierte, wie sie sagt. Schellhammer studiert Geschichte und wohnt in der Neustadt.
Fünfter im Bund der Grünen-Mandatsträger aus Mainz ist Spitzenkandidat Daniel Köbler. Mit 29 blickt der Politikwissenschaftler auf eine Reihe von öffentlichen und parteiinternen Ämtern. Der ehemalige Landesgeschäftsführer der Grünen Jugend ist Stadtrat und Ortsbeiratsmitglied in der Oberstadt. Er schloss 2008 sein Studium ab und hat seither den Landesvorsitz der Grünen inne.
Bleiben die etablierten Politiker. Die 46-jährige Bildungsministerin Doris Ahnen, die in der Oberstadt wohnt, ist seit 2006 für die SPD im Landtag und rückt mit Listenplatz 2 erneut ins Parlament, trotz knapper Niederlage im Wahlkreis 28.
Ihre Parteikollegin, Altstadt-Ortsvorsteherin und Stadträtin Ulla Brede-Hoffmann, sicherte sich wieder das Direktmandat im Wahlkreis 27 - vor Daniel Köbler und Gerd Schreiner (CDU). Die 60-Jährige ist bisher bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.
Gerd Schreiner aus der Oberstadt ist und bleibt CDU-Landtagsabgeordneter. Der 40-jährige Stadtrat sitzt seit 14 Jahren im Landesparlament und ist finanzpolitischer Sprecher der CDU in Rheinland-Pfalz.
Am Sonntagabend war Wolfgang Reichel noch (fast) zu Tode betrübt, seit gestern ist der Christdemokrat obenauf. Der Mainzer Parteivorsitzende und Noch-Umweltdezernent zieht in den Landtag ein - als erster Nachrücker sozusagen. Ein denkbar nervenzehrender Sieg des 59-jährigen Laubenheimers über Konkurrentin Ahnen.
