Klang-Kulisse in epischer Breite
27.04.2010 - RÜSSELSHEIM
Von André Domes
RIND Die Formationen „Martigan“ und „Nemo“gastieren vor enttäuschender Kulisse in Rüsselsheim
Zumindest eine der beiden Bands am Freitagabend hatte „das Rind“ noch anders in Erinnerung. Als die Prog-Rocker „Nemo“ 2007 schon einmal in Rüsselsheim gastierten, sah die Kulisse dank der Progressive-Koryphäen „Sieges Even“ weitaus besser aus als diesmal. Gerade einmal 30 Besucher erschienen zum Konzert, bei dem „Martigan“ als Headliner auf dem Programm standen.
Lange Zeitspannen ist man als Freund der progressiven Rockmusik ja eigentlich schon gewohnt. Immerhin gehört es in Prog-Kreisen fast zum guten Ton, als Band wenigstens ein episches Stück von ebensolcher Länge im Set zu haben. Auch am Freitag sparten beide Bands nicht an ausladenden Kompositionen und boten den Zuhörern gleich mehrere Nummern von bis zu 25 Minuten Länge. Geduld wurde den wenigen Gästen aber vor allem zwischen den Auftritten abverlangt, nahm man sich in der Umbaupause doch eine nicht minder epische Dreiviertelstunde Zeit.
Nach Abschluss der Auf- und Umbauarbeiten gab es dann eine dem Genre mehr als würdige Performance von einer erfahrenen Band, die sich stilistisch wie handwerklich keine Blöße gab. Von der Freude an soundtechnischer Opulenz, dem Hang zu langen Spannungsbögen bis hin zu ausladenden rhythmischen und harmonischen Spielereien gab es dabei so ziemlich alles was das Progger-Herz höher schlagen lässt. Stilistisch hat man es bei „Martigan“, die am Freitag ihr neues Album „Vision“ präsentierten, mit einer Progressive-Band zu tun, die sich dem Sound der zweiten Welle des Prog zuordnen lässt, die Mitte der 80er Jahre mit Bands wie „Marillion“ oder „Pendragon“ ihren Höhepunkt erlebte. Wie damals üblich, strotzten die Songs nur so vor synthetischer Klangerzeugung und auch im „Martigan“-Sound waren die anderswo lange verpönten Keyboards ein dominierender Faktor.
Kaum anders war das bei der Band, die vor der Halbzeitpause auf der „Rind“-Bühne zu Gange war. Die Franzosen von „Nemo“ allerdings stellten den Tastenkünsten ihres Keyboarders Guillaume Fontaine allerdings geballte Gitarrenkraft anbei und hatten ihre Viererbesetzung mit einem zusätzlichen Gitarristen zu einem Quintett ausgebaut. Die zentrale Rolle spielte allerdings Frontmann Jean-Pierre Louveton, der als Gitarrist und Sänger nicht nur klanglich viel zum wandelbaren Klangbild beitrug, sondern durch charismatisches Auftreten auch das Erscheinungsbild der sympathischen Band bestimmte.
